Ausgehen - Artikel
A noite carioca
"Coca Agua Skol" - diese Rufe der Straßenverkäufer begleiten alle größeren und kleineren Veranstaltungen. Um die Flüssigkeitsversorgung in der Warteschlange muß man sich keine Gedanken machen, Cola- und Bierdosen (meist der Marken Skol, Bohemia und Antarctica) sowie Wasserflaschen sind nie weit entfernt. Interessanterweise ist es in Rio übrigens unüblich, Bier direkt aus der Flasche in der Hand zu trinken - Brasilianer benutzen Becher und teilen ein Bier, auch auf privaten Feiern.
Getränke im Club werden nicht direkt an der Bar bezahlt. Sehr verbreitet ist, das man an einer gesonderten Kasse (Caixa) einen Gutschein kauft, mit dem man dann das Getränk an der Bar abholen kann. Die zweite Möglichkeit besteht darin, das beim Eintritt in den Club nach Namen und Telefonnummer gefragt wird und man eine Karte erhält, auf der Getränkekonsum vom Barpersonal abgehakt wird. Die Rechnung wird vor dem Verlassen an einer Kasse nahe beim Ausgang bezahlt. Bei Verlust dieser Karte droht eine hohe Strafgebühr, verlieren Sie sie also nicht.
Der Eintritt für Frauen ist oft stark reduziert, oder es werden Freigetränke ausgegeben. 50 Prozent Studentenrabatt sind die Norm bei Parties, Konzerten und auch im Kino. Am Eingang wird generell der (Lichtbild-)Ausweis kontrolliert (Altersbeschränkungen werden ernst genommen), wobei bei Ausländern normalerweise Ausnamen gemacht werden, sollten diese keinen mit sich führen. Ein internationaler Studentenausweis ist eine lohnende Investition. Genauso lohnend ist die Registrierung eines Accounts bei Orkut. Besonders in der jüngeren Altersgruppe ist bis auf wenige Ausnahmen jeder auf diesen Friendster/MySpace-artigen Seiten vertreten, sodaß das Knüpfen von neuen Kontakten meist gar nicht mehr über auf Zettel geschriebene Telefonnummern laufen muß - der volle Nutzername reicht.
Generell ist es empfehlenswert, Eintrittskarten im Vorverkauf zu erwerben. Dies kann man zum Beispiel bei Modern Sound in Copacabana (Rua Barata Ribeiro 502) oder bei Laden in größeren Einkaufszentren (Barra Shopping, Rio Sul - hierfür im Internet nachsehen, wenn der Flyer nicht zur Hand ist). Meist ist es möglich, die lange Schlange am Eingang zu umgehen und direkt eingelassen zu werden - beim immer gut besuchten DDK im Cine Íris sehr empfehlenswert. Bei Konzerten sollte man in der Schlange Acht geben, bei Festivals im Rio Centro eventuell zwei oder drei Stunden nach Eröffnung eintreffen. Die Absperrungen sind nicht immer sinnvoll platziert und das brasilianische Temperament bekannterweise nicht ruhig und abwartend.
Die An- und Abreise ist mit dem Taxi am einfachsten, besonders wenn man die Lokalität das ersta Mal besucht. Ist man in Lapa oder in der Zona Sul unterwegs, kann man auch mit dem Bus oder Van nach Hause fahren, generell ist dies für Ortsunkundige aber nicht zu empfehlen. Die Taxifahrer vor dem Club kann man sich leider nur begrenzt auswählen. Zum Rio Centro gelangt man entweder mit dem Bus 2113, welcher die Strände entlangfährt, oder man nimmt sich ein Taxi ab beispielsweise Barra Shopping. Die Fahrt dauert von der Zona Sul zirka eine bis anderthalb Stunden. Die Vans verlangen auf der Rückfahrt gerne überhöhte Preise -ist man in einer größeren Gruppe, die sich abgesprochen hat, kann man aber fast zum Normaltarif (5-10 Real) nach Hause.
Elektronisch/Alternativ
Halblegale kleine Clubs die eine bestimmte musikalische Nische bedienen, wie in Berlin und anderen Großstädten anzutreffen, wird man in Rio nicht finden. Hier ist das relativ nahe gelegene São Paulo die wesentlich bessere Wahl, was das Publikum und die Auswahlmöglichkeiten angeht. Bekannte Clubs die in Richtung elektronische Musik und/oder alternatives Publikum tendieren sind die FosfoBox und der Bunker in Copacabana (Rua Raul Pompéia, 94), das 00 in Gávea, Dama de Ferro in Ipanema (ein Anlaufpunkt für Schwule wie auch das Le Boy/La Girl in der Rua Raul Pompéia 102 in Copacabana), und das Pornokino (in der Woche) Cine Íris in Centro (Rua da Carioca 51; die Partyreihen DDK und Loud! werden bzw. wurden hier veranstaltet).
Auf dem Morro da Urca finden regelmäßig große Parties statt (Noites Cariocas, Delírio). Für Festivals, meist gesponsort von einem der großen Mobilfunkanbieter, werden das Rio Centro und die angrenzende Cidade do Rock im Norden Barras (Jacarepaguá) genutzt. In Lapa findet sich meist ein Lagerhaus oder größerer Raum, die von Hip-Hop bis Goa auch speziellere Interessen bedienen. Auch am Strand von Ipanema finden von Zeit zu Zeit kleinere Parties statt, diese haben meist aber schon privaten Charakter und sind selbst von der Strandpromenade aus schwer hörbar, da die Boxen auf das Meer gerichtet sind. Internetseiten wie cenacarioca und rionoite bieten einen guten Überblick und Planungsgrundlage.
Lapa und Santa Teresa
Lapa und Santa Teresa im Zentrum von Rio haben ein reges Straßenleben mit Getränkeständen, Konzerten aus kleinen Bars. Sollte eine größere Polizeipräsenz allerdings alle Händler verschrecken, können die Straßen aber genauso völlig ausgestorben sein. Die Taschendiebdichte ist extrem hoch, lassen Sie daher das Mobiltelefon auf jeden Fall zu Hause. Markante Treffpunkte die das Viadukt Arcos da Lapa gibt es viele, auch bei größeren Menschenansammlungen findet man sich schnell.
Wer Samba, Pagode, oder andere brasilianische Musik mag und Tanzen gehen will, hat die Wahl aus verschiedensten kleinen und größeren Clubs wie dem Clube dos Democráticos, in Santa Teresa auch größere Privathäuser. Einen guten Überblick über das aktuelle Programm gibt es auf dieser Website.
Baile
Baile Funk, eine an Miami Bass angelehnte Musik, ist sicherlich Geschmackssache. Bailes finden in eigentlich jeder Favela am Wochenende statt. Die Texte sind schroff, sehr explizit und meist auch illegal. Wer "echten" Baile auf CD oder DVD kaufen will, ist auf Straßenhändler angewiesen. Auf den Bailes sorgen die "Angestellten" der Drogenhändler für Ordnung (und damit auch für die Sicherheit ihrer Kunden). Sofern Sie Freunde haben, die Sie auf einen Baile mitnehmen wollen, nutzen Sie die Gelegenheit. Als "gringo", der kein Portugiesisch spricht, sollten Sie allerdings nicht auf eigene Faust einfach in eine Favela gehen.
Kulinarisches und Kulturelles
Wer im Juni in Rio ist, sollte sich das "Wochenende der offenen Türen" in Santa Teresa auf keinen Fall entgehen lassen (Informationen auf dieser Seite (port.)). Eine Vielzahl von Gallerien, Ateliers und privaten Ausstellungen hat geöffnet, der Eintritt ist kostenlos. Eine Broschüre mit Karte und Kurzbeschreibungen erhalten Sie, wenn Sie den extra eingerichteten Shuttleservice (Vans, diese allerdings nicht kostenfrei) nutzen.
Wer extra für den Karneval nach Rio kommt oder einfach nur eine Sambaschule besuchen will, muß sich auf der Website einer der vielen Sambaschulen Rios den Termin eines "ensaio técnico" heraussuchen (Mangueira und Salgueiro sind die bekanntesten bei Touristen, auf der Seite der LIESA findet man eine ausführlichere Auflistung), und nimmt sich dann ein einfach ein Taxi.
Auf der Feira São Cristóvão im gleichnamigen Stadteil der Zona Norte kann man sich mit kulinarischen Leckerbissen aus dem Nordosten den Bauch regelrecht vollschlagen. Musikalisch wird Forró geboten, die Atmosphäre erinnert an einen Squaredance im "Wilden Westen", nur eben auf brasilianisch. Wer gerne gut essen geht, wird in Ipanema auf der Rua Barão de Torres und in Leblon auf der Rua Dias Ferreira leicht fündig, mehr Informationen hierüber finden sich in den Beschreibungen der Stadteile.
Links
- Stadtplan mit Adressensuche [Folha]
Ein annehmbarer Onlinestadtplan für São Paulo und Rio. Die Suche findet nicht immer alles.

